Im Bluegrass finden sich Elemente traditioneller Folk Musik europäischer Auswanderer z.B. aus Irland und England, Klänge der afrikanischen Sklaven und weiße/schwarze Kirchenmusik die sich in den ländlich geprägten südöstlichen Staaten der USA zu einer besonderen Form vereint haben. Bill Monroe mit seiner legendären Band The Bluegrass Boys (benannt nach ihrem Herkunftsstaat Kentucky, wo das Gras eine besondere bläuliche Farbe hat) erfand in den 40er Jahren diese Mischung. Instrumente sind Geige (Fiddle), fünfsaitiges Banjo, Mandoline, Gitarre, Kontrabass und gelegentlich die waagrecht gespielte Hawaiigitarre, genannt Dobro.

Längst hat sich die Bluegrass-Musik in ihrer nun über siebzigjährigen Geschichte in viele Winkel der Erde verbreitet. In den 40er Jahren in den wilden Hügeln der Appalachen im Südosten der USA entstand sie aus der Begegnung der Kulturen der neuen Siedler und der Sklaven. Es waren vor allem die Einwanderer aus Irland und Schottland, die ihre Tanzmusik und überlieferten Balladen in den abgelegenen Regionen als Unterhaltung pflegten. Dort begegneten sie der Musik der afrikanischen Sklaven, mit raffinierten komplexeren Rhythmen und Gesängen. Dazu kamen Spirituals und Gospels mit mehrstimmigen Gesangstechniken. Diesen „Soundtrack“ der Region machte Bill Monroe mit seinen Bluegrass Boys (genannt nach dem Bluegrass State Kentucky, wo das Gras etwas blauer gilt als anderswo) zur „Bluegrass Music“. Elvis Presley formte daraus „Rock’n’Roll und Rockabilly“ und die Elektrifizierung der Instrumente führte zur „Country Music“. Damit lagen damals schon die Wurzeln der amerikanisch geprägten heutigen Popmusik vor. Bluegrass selber, mit seinen wegweisenden Urgruppen wie Monroe, Stanley Brothers, Flatt & Scruggs und vielen anderen blieb rein akustisch und verschwand in den Hochzeiten des Rock’n’Roll beinahe von der Bildfläche. 

Erst die Hinwendung der studentischen Szene der 60er Jahre mit ihren Folk Festivals und Folk Stars, aber auch der Wertschätzung einer „Kultur der einfachen Leute“, führten zu neuer Begeisterung beim Publikum in Stadt und Land. Seitdem hat sich die Musik oft gehäutet, rückbesonnen, nach vorne geblickt und immer weiter wachsende Fangemeinden gefunden. Sehr viele Konzert-Besucher sind gleichzeitig selber Musiker, die sogar ihre Instrumente zu den Events mitbringen, um sich in den Pausen nächtelangen gemeinschaftlichen Sessions hinzugeben.

Die großen Festivals ziehen unzählige Fans aus aller Welt an und präsentieren neben den Stars immer auch die neuen Entwicklungen. Und die Musiker werden immer jünger: In den USA sieht man unglaublich virtuose Kinder- und Familienbands, nicht einfach nur auf Leistung trainiert, sondern mit Feuer und Begeisterung für Mandoline, Geige, Banjo, Gitarre, Kontrabass oder Hawaiigitarre - den typischen Instrumenten der Bluegrass Musik. Auch wenn sie dabei die Zukunft im Auge haben, so zeigen die jungen Künstler dennoch großen Respekt vor den Gründungskünstlern und den klassischen Spieltechniken der einzelnen Instrumente. 

Medial in Sendern und Feuilletons stark präsente Veranstaltungen wie das Bluegrass Jamboree, Gastspiele erstklassiger Künstler auf Festivals und in hochkarätigen Konzerthallen, international erfolgreiche Filme mit Bluegrass Soundtrack und Workshops zur Spieltechnik sorgen auch hierzulande für ein rapide wachsendes Interesse. 

Text: Rainer Zellner   Foto: Dieter Rahner